Maßnahme mit begrenztem Nutzen und deutlichen Risiken
Die Einführung des sogenannten Präsenzlichts an Polizeifahrzeugen sorgt bundesweit für Diskussionen. Während politische Entscheidungsträger die Maßnahme als Beitrag zu mehr Sicherheit und Sichtbarkeit darstellen, weisen Fachleute und Verkehrsexperten auf erhebliche Nebenwirkungen hin.
Der Verkehrspolitische Sprecher der FREIE WÄHLER Hamburg – Thomas Lindner – äußert sich dazu kritisch:
„Sichtbarkeit ja – Sicherheitsgewinn fraglich“
Das gedimmte Blaulicht soll Einsatzfahrzeuge im Straßenverkehr und bei Dunkelheit früher erkennbar machen. In Ausnahmesituationen – etwa bei Stromausfällen oder dem Ausfall von Kommunikationsnetzen – kann dies Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich Orientierung bieten. Auch das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen steigt durch sichtbare Polizeipräsenz.
Doch diese Vorteile sind überwiegend psychologischer Natur. Ein dauerhaft eingeschaltetes Licht ersetzt keine strukturellen Reformen im Bereich der inneren Sicherheit, wie ausreichende Personalstärke, moderne Ausstattung oder digitale Einsatzkoordination.
Verkehrsrisiken werden unterschätzt
Im Alltag zeigt sich, dass viele Verkehrsteilnehmer reflexartig auf blaues Licht reagieren – selbst wenn es gedimmt ist. Abruptes Abbremsen und unsichere Fahrmanöver können zu gefährlichen Situationen und Auffahrunfällen führen. Es wird zwar betont, das Präsenzlicht sei „nicht einsatzgleich“, doch menschliche Wahrnehmung lässt sich nicht per Verordnung steuern.
Taktische Nachteile für die Polizeiarbeit
Das Präsenzlicht wirkt wie ein Frühwarnsignal für Personen, die bewusst gegen Verkehrs- oder Strafgesetze verstoßen. Sie erkennen Streifenwagen frühzeitig und können ihr Verhalten rechtzeitig anpassen. Für verdeckte Ermittlungen oder Observationen ist das Dauerlicht zudem ungeeignet und muss abgeschaltet werden – ein deutlicher taktischer Nachteil.
Wissenschaftlich umstrittene Wirkung
Kriminologische Analysen zeigen, dass sichtbare Präsenz allein kaum Einfluss auf die tatsächliche Kriminalitätsrate hat. Ein gesteigertes Sicherheitsgefühl bedeutet nicht automatisch mehr reale Sicherheit. Effektive Prävention entsteht durch funktionierende Strukturen, nicht durch symbolische Beleuchtung.
Fazit
Das Präsenzlicht kann in bestimmten Situationen Orientierung bieten und subjektive
Sicherheit stärken. Gleichzeitig birgt es Risiken im Straßenverkehr, schränkt taktische
Einsatzmöglichkeiten ein und liefert keinen nachweisbaren Beitrag zur
Kriminalitätsbekämpfung. Die Maßnahme bleibt damit ein Beispiel für Symbolpolitik, die sichtbar ist – aber nur begrenzt wirksam.